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AUSSTELLUNGSORTE DES FREILICHTMUSEUMS

Webwerkstatt

FREILICHTMUSEUM MÉRTOLA

Das Weben von Wolldecken ist eines der ältesten traditionellen Kunsthandwerke im Kreis Mértola. Die Muster der Weberei stammen aus der Antike und ähneln den dekorativen Motiven, die auf den aus den Ausgrabungen der Wohnhäuser in der Alcazaba von Mértola entnommenen Keramikobjekten aus dem Zeitalter der Mauren (8. Jahrhundert bis Mitte des 13. Jahrhundert) zu sehen sind.

In der Weberei wurden auch unterschiedliche Arten von Gegenständen gefunden, die mit der Weberei in Verbindung stehen, wie etwa Spindeln, Mastfüße und Spinntürme, Gewichte und Nadeln, Fingerhüte und Scheren. Die Gegenstände sind dort aufbewahrt und man kann den Weberinnen bei der Arbeit zusehen.

So soll das tausendjährige fachliche Wissen bewahrt und der komplette Kreislauf der Wolle am Leben gehalten werden, und zwar durch den Einsatz von hochwertigen Rohstoffen, traditionellen Herstellungstechniken und antiken Mustern.

Ausstellungsorte des Freilichtmuseums

Webwerkstatt

Eröffnung: 2000 (Umgestaltung: 2014 renoviert)

Die Weberinnen

Und weil Arbeit ein Gesicht hat, ist das Geräusch des Webstuhls heute in der Weberei von Mértola das Ergebnis der geschickten und sachkundigen Hände der Weberinnen Helena Rosa und Fátima Mestre. Zu anderen Zeiten kamen hier andere Weberinnen vorbei, wie die große Lehrmeisterin Fr. Adélia, Helena Costa oder Guida Rosário, um nur einige zu nennen… Wir dürfen auch nicht die wichtige Arbeit des Kardierens und Spinnens vergessen, die immer noch von Fr. Vitorina ausgeführt wird.

Im Rahmen der Partnerschaft, die die Gemeinde Mértola mit dem Verein Passa o Futuro und der genossenschaftlichen Weberei eingegangen ist, fand in den Monaten März und April die Residenz ALENTEJO HERITAGE TEXTILES statt, die eine Verbindung zwischen den Weberinnen der Weberei Mértola und den Designerinnen Emma Pucci und Valentina Pilia vom Flores Textile Studio sowie dem Macher Daniel Heer und dem Künstler Cian McConn von Machen Colletive herstellt.

Diese Residenzen verfolgen das Ziel, die Handwerkskunst unserer Weberinnen mit dem innovativen Design neuer Schöpfer:innen zu verbinden und auf diese Weise den Rohstoff (Wolle) und seine handwerkliche Verarbeitung von der Fertigung des Garns bis zum Weben der berühmten Decken von Mértola aufzuwerten.

 Diese Residenz in Zusammenarbeit mit dem Arteria Lab der Universität Évora und dem Museo del Tessuto di Prato in Italien ist Teil des Projekts Creative wear +, welches vom INTERREG MED-Programm mitfinanziert wird. Die künstlerischen Ergebnisse werden im Juni 2022 im Museo del Tessuto in Prato (Italien) ausgestellt.

Weitere Informationen finden Sie unter dem nachstehenden Link: https://www.passaaofuturo.com/residncia-alentejo-heritage-textiles

Das traditionelle Weben der Wolldecken von Mértola stellt heute das dar, was dereinst eine Notwendigkeit und eine Art und Weise war, sich den Lebensunterhalt zu verdienen und das Überleben der Familie zu sichern. Vor etwa 50 Jahren war die Tätigkeit der Weberin durch eine Anhäufung von Arbeiten gekennzeichnet, um auf Märkten der Region etwas zu verkaufen und die vielen Aufträge zu erledigen. Heute richtet sich die Produktion vor allem an ein Publikum, das zu Hause ein Erinnerungsstück dieses Savoir-faire haben möchte.

Die aufwendige Aufbereitung der Wolle, die in mehreren Schritten erfolgt, ist für die Qualität des Webstoffes von entscheidender Bedeutung. In der Vergangenheit wurde diese Arbeit von der Weberin ausgeführt bzw. genau überwacht, die so die Qualität ihrer Arbeit garantierte und ihr Ansehen in der Gemeinschaft aufrechterhielt. Die Herstellung von Wollstoffen hängt auch vom Webstuhl ab, dem ein komplexer Mechanismus zugrunde liegt, bei dem es wichtig ist, die Funktionsweise aller seiner Elemente zu kennen und zu verstehen.

In der Webereiwerkstatt können die Besucher diese Arbeit kennenlernen und die Funktionsweise der ausgestellten und benutzten Gegenstände verstehen, die für eine tausend Jahre alte Tätigkeit stehen, die bis heute überlebt hat. Die gesellschaftliche Weiterentwicklung, die Schwierigkeiten mit der Aufrechterhaltung der althergebrachten Produktion, die Probleme der Landflucht und Verödung des portugiesischen Hinterlandes haben jedoch dazu geführt, dass der Fortbestand dieser Erwerbstätigkeit nun in Gefahr ist.

Dies ist die große Herausforderung, vor der wir derzeit stehen und die bereits vor vier Jahrzehnten bestand, als die erste Erhebung über die Weberei durchgeführt und eine Genossenschaft mit dem Hauptziel der Ausbildung gegründet wurde. 40 Jahre später ist die Frage der Kontinuität akuter denn je: Die Herstellung der Wolldecken von Mértola wird von zwei Weberinnen durchgeführt, die beide über 60 Jahre alt sind.

Diese Situation führte zu einer Debatte, an der die Gemeinschaft und die lokalen Institutionen beteiligt waren, die unter der Leitung der Stadtverwaltung Anstrengungen unternahmen, um eine gemeinsame Strategie zum Erhalt und zur Kontinuität des Savoir-faire zu entwerfen. Mit dem Museologischen Zentrum der Weberei als zentralem Ort hat ein Bildungsprozess begonnen, der darauf abzielt, allen Schritten der Wollverarbeitung, von der Schur bis zur Ausführung am Webstuhl, Kontinuität zu verleihen.

Hier zeigen wir Ihnen die verschiedenen Etappen der Ausbildung der zukünftigen Weberinnen Nazaré Fabião und Rosa Ruivo.

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