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IACAM-Projekt – Archäologische Intervention an den Einfriedungen von Alcarias da Mesquita (Mértola).

Der archäologische Eingriff in den sogenannten Cercas das Alcarias, der vom Campo Arqueológico de Mértola (CAM) und der Universität Granada koordiniert wird, findet vom 23. August bis 17. September 2021 in der Ortschaft Mesquita (Gemeinde Espírito Santo, Kreis Mértola) statt und wird durch das Programm “Proyectos de investigación e intervención arqueológica española en el exterior” [spanische archäologische Forschung und Intervention im Ausland] des spanischen Ministeriums für Kultur und Sport finanziert, mit Unterstützung der Gemeinde Mértola, des Zentrums für Studien in Archäologie, Kunst und Kulturerbe (CEAACP), der Sociedade Recreativa Mesquitense, der Comissão Fabriqueira da Ermida de Nossa Senhora das Neves (Mesquita) und des Mesquita Turismo de Aldeia.
Das Projekt, an dem ein Team der CAM und der andalusischen Hochschule beteiligt ist, heißt in 2 Schichten Forscher und Studenten von Universitäten in Portugal und Spanien willkommen. Der Eingriff findet in einer Siedlung in der Nähe der Ermida de Nossa Senhora das Neves (Moschee) statt, die zeitlich zwischen dem 8. und 13. Jh. anzusiedeln ist. Diese Intervention zielt darauf ab, relevante Ergebnisse für die Untersuchung ländlicher Gemeinschaften im Gharb al-Andalus zu erhalten, mit Hauptaugenmerk auf dem Gebiet von Mértola/Martulah, sowie Prozesse zeitlicher Kontinuität in Bezug auf Arabisierung und den Widerstand in diesen Gebieten nachzuvollziehen. Ziel ist es, signifikante archäologische Beweise (an der Stätte sind Reste an der Oberfläche zu beobachten) und Materialien freizulegen, die eine Kontextualisierung der verschiedenen ausgegrabenen und identifizierten Strukturen ermöglichen, während sie gleichzeitig auf Handelswege mit dem Rest von al-Andalus und dem Mittelmeerraum hinweisen könnten.
Auf der archäologischen Karte der Gemeinde Mértola wird die Stätte als Cerca das Alcarias bezeichnet, die sich in der Ortschaft Mesquita befindet, spätrömisch und islamisch besiedelt war und eine ungefähre Fläche von 40.000 m2 aufweist. Dieser Ort liegt in der Nähe der Ermida de Nossa Senhoras das Neves, die auf einem Hügel vor dem Weiler Mesquita liegt.
“Das Dorf Mesquita und die kleine Kapelle, die der N. Sra. Das Neves [Schneejungfrau] gewidmet ist, die in der Nähe auf dem Gipfel eines benachbarten Hügels steht, haben eine lange historische und kulturelle Tradition. So ist die Einsiedelei das letzte Vermächtnis eines jahrhundertelangen Prozesses der Errichtung und des Wiederaufbaus von Gotteshäusern, der auf die Zeit vor der Eroberung zurückgeht.
Diese geschichtliche Kontinuität hängt nicht zuletzt mit der hervorragenden Lage des Ortes und seiner strategischen Position am Fluss Guadiana zusammen, ein natürlicher Weg, über den seit Tausend Jahren Menschen und Güter unterschiedlicher Herkunft kommen. In Mesquita stieß die Schiffbarkeit des “großen Fluss des Südens” auf ein erstes Hindernis, das zur Umladung aller Güter, die in den Laderäumen der größeren Schiffe sich befanden, zwang. Hier befand sich auch eine der wenigen Furten, die den Übergang zwischen den Ufern ermöglichten, und zwar über eine Brücke, die bis zum Beginn unseres Jahrhunderts in Betrieb war [20. Jahrhundert].
(…) Die ersten eindeutigen Anzeichen für die Sakralisierung der Stätte stammen aus dem 8. bis 9. Jh. Davon zeugt die Marmorsäule, die von dem damals errichteten Gebäude erhalten geblieben ist, ein architektonisches Werk mit raffinierten bildhauerischen und dekorativen Arbeiten, das in Portugal ohne Gleichen ist [im Museum von Mértola ausgestellt]. Dass es zu einem christlichen Gebäude gehört, ist zweifellos. Andererseits kann die Existenz einer primitiven paläochristlichen Gemeinschaft nicht ausgeschlossen werden, obwohl es keine beweiskräftigen Elemente dafür gibt.
In der Almoraviden- oder Almohadenzeit wurde der Tempel sicherlich in eine Moschee umgewidmet; ein Phänomen, das offenbar keine baulichen oder sonstigen Spuren hinterlassen hat, von dem aber der Ortsname, der bis heute überlebt hat, deutlich kündet. Nach der Reconquista [christliche Wiedereroberung] wurde sie erneut dem christlichen Kult geweiht und erhielt dann den Titel “Santa Maria das Froles”, wie sie noch im Jahr 1482 genannt wurde.
Die ersten detaillierten Informationen über die Ermida de Sta. Maria stammen aus dem Jahr 1515. Nach der Beschreibung, die der offizielle Besucher von Santiago in jenem Jahr machte, war es “ein kühnes Haus, alles sehr klein”, gebaut “aus Stein und Lehm und mit alten Ziegeln bedeckt”. Von den vorangegangenen Tempelbauten war dann wohl schon nichts mehr übriggeblieben. Wie uns dieser Inspektor aufgrund von Informationen, die ihm von “befreundeten Männern” gegeben wurden, mitteilt, wurde es vor vielen Jahren von einem gewissen “Joham Lourenço” wieder aufgebaut, weil es “beschädigt und eingestürzt” war..
1535 wird die Kapelle bereits “nossa senhora da mizqujta” [Jungfrau der Moschee] genannt, womit die alte Widmung der Stª Maria das Flores verloren geht, an die man sich nicht mehr erinnern würde. Einige Jahre zuvor war sie konsolidiert und restauriert und inhaltlich bereichert worden. Sie hatte also “majs dous altares” [zwei weitere Altare] mit Gemälden, die ihre Heiligen abbildeten: Benedikt, St. Bartholomäus und ein Kruzifix, flankiert von der Muttergottes und dem Heiligen Johannes. Auf dem Hochaltar wiederum befand sich das “große Bildnis der Muttergottes mit ihrem Sohn auf ihrem Schoß in einem Retabel mit Türen, die mit Farben verziert waren” .
Dieses wertvolle Ensemble sollte leider nicht überleben. Im Jahr 1565 wurde dem Verwalter der Einsiedelei befohlen, “die Bilder, die jetzt an den Wänden gemalt sind, zu entfernen”. Weder das Bildnis der Schutzpatronin aus dem 16. Jahrhundert noch das Gebäude selbst, das im 17./18. Jahrhundert baulich umgestaltet wurde, hat sich in die Gegenwart gerettet. Hierbei sollte darauf hingewiesen werden, dass die Einsiedelei unter dem Schutz von N. Sr.ª das Neves stand, eine Marienverehrung, die ab dem Ende des 16. Jahrhunderts eine beachtliche Verbreitung erfuhr.
Das heutige Gotteshaus trägt die Spuren all dieser Jahrhunderte, obwohl es in diesem Jahrhundert restauriert wurde. Es besteht aus einem einzigen Schiff mit einer eingebauten Kapelle und starken Strebepfeilern, die die Wände stützen. In seinem äußerst kargen Inneren befindet sich ein Bildnis der N. Sr.ª das Neves mit volkstümlichem Charakter, aus der ersten Hälfte des 18. Jh..”

Bibliographie:
BOIÇA, Joaquim, Imaginária de Mértola – Tempos, espaços e representações, Mértola, Campo Arqueológico de Mértola, 1998.
PALMA, Maria de Fátima (Koord.), Archäologische Karte der Gemeinde Mértola, Mértola, Campo Arqueológico de Mértola, 2012.

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