{"id":14613,"date":"2021-08-09T09:54:56","date_gmt":"2021-08-09T09:54:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.museudemertola.pt\/die-kasel-aus-dem-16-jahrhundert-am-ausstellungsort-arte-sacra\/"},"modified":"2021-08-09T09:54:56","modified_gmt":"2021-08-09T09:54:56","slug":"die-kasel-aus-dem-16-jahrhundert-am-ausstellungsort-arte-sacra","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.museudemertola.pt\/de\/die-kasel-aus-dem-16-jahrhundert-am-ausstellungsort-arte-sacra\/","title":{"rendered":"Die Kasel aus dem 16. Jahrhundert am Ausstellungsort Arte Sacra"},"content":{"rendered":"<p>Im August 2020 wurde im Freilichtmuseum von M\u00e9rtola eine Reihe an Objekten abgegeben, die sich seit einigen Jahren in der Obhut der Di\u00f6zese von Beja befanden und der Werkstatt der Pfarrkirche von der Gemeinde M\u00e9rtola geh\u00f6ren. Die beiden Monstranzen aus dem 17. Jahrhundert und ein Exvoto an Jesus Christus aus dem 19. Jahrhundert wurden umgehend in den Ausstellungsort Arte Sacra integriert. Eine Kasel, die auch Teil der Reihe war, wurde als Vorrat aufbewahrt, da f\u00fcr ihre Erhaltung ein bestimmter Schaukasten mit angemessenen Bedingungen erforderlich war. F\u00fcr die Kasel, die nun in den Ausstellungsort Arte Sacra im Hauptteil der Mutterkirche integriert ist, wurde ein Schaukasten errichtet, der nicht nur die Voraussetzungen f\u00fcr die Erhaltung des Ausstellungsst\u00fccks erf\u00fcllt, sondern ihm auch die gew\u00fcnschte Sicherheit und Bedeutung gew\u00e4hrt.<br \/>\n\u201cOrnate wurden schon immer als sehr wertvolle St\u00fccke betrachtet, sowohl aufgrund der pr\u00e4chtigen Materialien aus denen sie hergestellt wurden, als auch aufgrund der Tatsache, dass sie das Ergebnis der Mitwirkung verschiedener Handwerker und K\u00fcnstler waren, was ihnen einen unsch\u00e4tzbaren Wert verschaffte. Genau aus diesem Grund gingen bei uns einzigartige St\u00fccke von bemerkenswerter Sch\u00f6nheit ein. Zu ihrer Sch\u00f6nheit trug bei, dass sie ausschlie\u00dflich an bestimmten Tagen im Jahr (zu sogenannten liturgischen Zeiten) verwendet wurden und dass sie eine besondere Pflege erhielten, da es sich um St\u00fccke handelte, die zum Gottesdienst geh\u00f6rten.\u201d.<br \/>\nDie Kasel der Mutterkirche stammt aus dem 16. Jahrhundert. Sie ist aus karminrotem Samt gefertigt und mit Stickereien verziert. Die dekorativen Motive auf Leinen mit Goldstickerei bestehen aus ausgeschnittener Seide, die von einem blauen Faden umrandet ist. Neben Pflanzenelementen repr\u00e4sentieren die Motive auch Zentauren, ein Einhorn und andere Tiere wie V\u00f6gel und Kaninchen. \u201eMan kann sehen, dass (\u2026) Leinen als Grundlage und Seide f\u00fcr die Verzierungen auf dem gestickten goldenen Hintergrund verwendet wurde. Das goldene Gelb ist f\u00fcr diese Zenturie eine typische Farbe, denn Sie wird h\u00e4ufig auf den Wandteppichen, Tagesdecken und in den Stickereien des 16. Jahrhunderts vorgefunden. Aus dieser Zeit stammt auch die Galone, welche den Mittelstab verziert. Daraufhin deuten die Fransen und die Carina, die den Abschluss bilden. Die Verzierung von Stoffen durch die Verwendung anderer Stoffe aus dem 16. Jahrhundert (gef\u00e4rbte, gewebte, andere aufgebrachte Stoffe oder Stickereien) wurde oft durch den Abschluss von Fransen und R\u00e4ndern\/Gasten erg\u00e4nzt\u201d.<br \/>\n\u201cDie mythologische Darstellung auf dem Mittelstab vereinbart klassische Themen, die f\u00fcr den Westen typisch sind, mit orientalischen Elementen. Wenn man die das Bild aus ikonographischer Sicht betrachtet, dann kann man feststellen, dass man es auf zwei Art und Weisen interpretieren kann, die zwar unterschiedlich sind, sich jedoch erg\u00e4nzen. Dem Einhorn\u201c werden gleichzeitig die Gabe der heidnischen Reinheit, die Keuschheit und die Fleisch\u00adwer\u00addung Christi, reine christliche Vorstellungen, zugeschrieben. Die Zentauren, zusammengesetzte Figuren, (\u2026) enth\u00fcllen ungez\u00fcgelte, sogar b\u00f6se Instinkte. (\u2026) Der Kampf zwischen Gut und B\u00f6se, zwischen Geist und Materie, zwischen spiritueller und der weltlicher Macht ist ein Thema, das die Zivilisationen im Abendland und Morgenland schon immer beherrschte. Zentauren suchen das Einhorn. Zwischen ihnen besteht ein Zusammenhang, der in der Komposition die Mittelachse bildet. Im mythologischen Raum findet sich auch das Kaninchen\/der Feldhase (ein Symbol der Liebe und der Lust, da das Tier f\u00fcr fruchtbar gehalten wird) und der Vogel &#8211; Elemente, die uns zur\u00fcck in die Realit\u00e4t f\u00fchren. Deshalb werden sie als gemischte Verzierungselemente bezeichnet: Sie bringen die fantastische Welt n\u00e4her an die wirkliche Welt\u201d. (\u2026) Es ist nicht unangebracht, die Komposition des Mittelstabs nicht nur als Geschichte, sondern auch als Symbolik zu betrachten. In der Gesamtheit gesehen l\u00e4sst sich behaupten, dass die Bedeutung der Kasel sich von ihrer scheinbaren Darstellung unterscheidet, denn Sie zeigt das Symbol eines Einhorns  \u2013 an einer hervorgehobenen, dominanten Stelle\u201d .<br \/>\n\u201cDie dekorativen Pflanzenmotive sind zwar einfache Darstellungen, sie bilden jedoch Gruppen. Auf der Kasel von M\u00e9rtola sind Pflanzenmotive von geschwungenen, durchg\u00e4ngigen St\u00e4ngeln zu sehen (weit verbreitet in der indoportugiesischen Kunst), die sich kr\u00e4useln, und die ein oder andere Verzierung bilden, das ein oder andere Blatt auf der Gegenseite tragen. Das Motiv der Lotusblume, die das gesamte 16. Jahrhundert durchl\u00e4uft, wurde in der Form eines offenen Granatapfels erarbeitet, mit verzerrten Bl\u00e4ttern. Eine m\u00f6gliche Stilisierung dieser Blume kann man auf der Kasel finden, wenn man sich auf die Gestalten der italienischen und spanischen Samtstoffe bezieht &#8211; die verzerrten Bl\u00e4tter, der belaubte St\u00e4ngel und die knolligen Bl\u00fcten sind vorhanden.\u201d.<br \/>\n(\u2026) \u201cFolgende Fragen bleiben offen: Die Kasel der Mutterkirche von M\u00e9rtola stellt keine Kasel dar, die typisch f\u00fcr das 16. Jahrhundert ist. Zudem ist bereits der Mittelstab allein ein Ausnahme-Exemplar. Man stellt daher die Hypothese auf, dass ein anderes St\u00fcck wiederverwendet wurde, das von einem Querbehang, von einer Predella oder sogar von einer indoportugiesischen Tagesdecke stammt\u201d .<br \/>\n\u201eAllerdings ist es trotzdem schwer zu verstehen, warum es sich bei dieser Kasel nicht um ein St\u00fcck handelt, das den Mustern seiner Zeit entspricht. Nat\u00fcrlich ist es wahr, dass es weitaus kosteng\u00fcnstiger ist, zur Herstellung einer Kasel mit bereits vorhandenen St\u00fccken eine Anpassung oder eine Aufbringung vorzunehmen, anstatt eine Stickerin oder einen Kasel-Fachmann zu beauftragen, ein Original anzufertigen. Eine solche Verwendung von Teilst\u00fccken und die Anpassung w\u00e4re f\u00fcr das 16. Jahrhundert eine unkonventionelle Vorgehensweise\u201c. Die Religiosit\u00e4t des 16. Jahrhunderts verpflichtete in der Regel zur Einhaltung der von der Kirche gesetzten Ma\u00dfst\u00e4be. Jedoch kam es durch den Zugang zu neuen, wertvollen Materialien und die Verbindung der Handwerker zu ihrer unglaublichen Renaissance-Fantasie dazu, dass Werke entstanden, die kaum einzustufen sind. Wom\u00f6glich ist die Kasel der Mutterkirche von M\u00e9rtola eines dieser Werke. Obwohl sie den \u00fcppigen Kult der katholischen Zentren nicht widerspiegelt, stellt sie auf eine gewisse Art und Weise den Reichtum an Zierkunst des 16. Jahrhunderts dar. Ihr zentraler Wert liegt darin, dass man sich gegen Vergeudung oder Gleichg\u00fcltigkeit der Menschen \u00fcber Jahrhunderte hinweg wehrte\u201c.<br \/>\nDie Stadtverwaltung M\u00e9rtola und das Freilichtmuseum M\u00e9rtola danken der Di\u00f6zese von Beja und der Werkstatt F\u00e1brica da Igreja Paroquial der Gemeinde M\u00e9rtola und Pater Ant\u00f3nio Marques de Sousa f\u00fcr die R\u00fcckgabe dieser Objekte an ihren Ursprungsort. Wir laden die Bev\u00f6lkerung des Kreises M\u00e9rtola ein, den Ausstellungsort Arte Sacra (wieder) zu besuchen und sich an diesem Erbe, das Allen geh\u00f6rt, zu erfreuen.<\/p>\n<p>1 Kasel \u2013 Ein religi\u00f6ses Ornat, das der Priester zur Feier des Gottesdiensts \u00fcber der christlichen Albe tr\u00e4gt.<br \/>\n2 Ornat &#8211; Kleidung des Priesters bei religi\u00f6sen Zeremonien. Die Albe ist eine Art wei\u00dfe Tunika mit \u00c4rmeln, die in den ersten Jahrhunderten des Mittelalters von Laien und Klerikern, aber sp\u00e4ter, im 13. Jahrhundert, nur als priesterliche Kleidung unter der Kasel getragen wurde.<br \/>\n3 NOGUEIRA, Magda und VALENTINA, Silva, \u201eA Casula quinhentista da Matriz de M\u00e9rtola\u201c in, Arqueologia Medieval 3, Porto, Ed. Afrontamento, 1993, S. 233.<br \/>\n4 Galone \u2013 Ein geflochtener Streifen mit Silber, Gold, Seide, Baumwolle, Leinen, der zum S\u00e4umen oder Verzieren verwendet wurde.<br \/>\n5 Mittelstab &#8211; Stoffstreifen mit einer anderen Farbe, der auf Gew\u00e4ndern und anderen Kleidungsst\u00fccken als Verzierung dient. Verzierung von Kleidern, Ornaten.<br \/>\n6 NOGUEIRA, Magda und VALENTINA, Silva, \u201eA Casula quinhentista da Matriz de M\u00e9rtola\u201c in, Arqueologia Medieval 3, Porto, Ed. Afrontamento, 1993, S. 235.<br \/>\n7 Besitz Einhorn &#8211;  Es handet dieselbe Bedeutung wie ein Fabeltier, das einem Pferd \u00e4hnelt, normalerweise wei\u00df ist und ein spiralf\u00f6rmiges Einhorn hat. Sein Bild wird mit Reinheit und Kraft verbunden,<br \/>\n8 NOGUEIRA, Magda und VALENTINA, Silva, \u201eA Casula quinhentista da Matriz de M\u00e9rtola\u201c in, Arqueologia Medieval 3, Porto, Ed. Afrontamento, 1993, S. 235.<br \/>\n9 Querbehang \u2013 Langer Streifen, der den oberen Teil eines Vorhangs schm\u00fcckt.<br \/>\n10 Predella \u2013 Unterer Teil eines Retabels, der aus einem oder mehreren Paneelen besteht und einen Rand bildet, \u00fcblicherweise mit g\u00e4ngigen Figuren, die in Zusammenhang mit der Komposition stehen oder ein besonderes Thema repr\u00e4sentieren.<br \/>\n11 NOGUEIRA, Magda und VALENTINA, Silva, \u201eA Casula quinhentista da Matriz de M\u00e9rtola\u201c in, Arqueologia Medieval 3, Porto, Ed. Afrontamento, 1993, S. 235.<br \/>\n12 IBIDEM, S. 236.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im August 2020 wurde im Freilichtmuseum von M\u00e9rtola eine Reihe an Objekten abgegeben, die sich seit einigen Jahren in der Obhut der Di\u00f6zese von Beja befanden und der Werkstatt der Pfarrkirche von der Gemeinde M\u00e9rtola geh\u00f6ren. Die beiden Monstranzen aus dem 17. Jahrhundert und ein Exvoto an Jesus Christus aus dem 19. Jahrhundert wurden umgehend in den Ausstellungsort Arte Sacra integriert. Eine Kasel, die auch Teil der Reihe war, wurde als Vorrat aufbewahrt, da f\u00fcr ihre Erhaltung ein bestimmter Schaukasten mit angemessenen Bedingungen erforderlich war. F\u00fcr die Kasel, die nun in den Ausstellungsort Arte Sacra im Hauptteil der Mutterkirche integriert ist, wurde ein Schaukasten errichtet, der nicht nur die Voraussetzungen f\u00fcr die Erhaltung des Ausstellungsst\u00fccks erf\u00fcllt, sondern ihm auch die gew\u00fcnschte Sicherheit und Bedeutung gew\u00e4hrt. <a class=\"continue\" href=\"https:\/\/www.museudemertola.pt\/de\/die-kasel-aus-dem-16-jahrhundert-am-ausstellungsort-arte-sacra\/\">Ler mais<span> Die Kasel aus dem 16. 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